26.04.2026
Die Katholische Öffentliche Bücherei Lorsch feierte ihr 125-jähriges Bestehen mit einem Gottesdienst und einem Empfang im Paul Schnitzer-Saal.

Die Katholische Öffentliche Bücherei, kurz KÖB, in Lorsch kann auf ein 125-jähriges Bestehen zurückblicken: ein Anlass, den es zu feiern galt. Gegründet wurde die kirchliche Bücherei im Jahr 1901, was allerdings nicht in einer schönen Urkunde, sondern lediglich anhand einer Abrechnung aus der Pfarrei dokumentiert ist. Lesematerial für viele verfügbar zu machen, war gerade damals, zu Zeiten von Kaiser Wilhelm II., nur mit einer öffentlichen Bücherei zu realisieren, denn öfters mal eben ein Buch zu kaufen, das war für die meisten Menschen kaum zu bezahlen. Zunächst war die Bücherei in einem Räumchen der Karolingerschule, dem heutigen Haus der Vereine, dann im Raum über der Sakristei untergebracht. In der Nazi-Zeit musste der Bestand vor der Zerstörung geschützt und dafür in vielen privaten Räumen versteckt werden. Dann, in den 1950iger Jahren war sie mal über der Sakristei, dann im Paulusheim und wieder über der Sakristei untergebracht, bevor sie schließlich so groß wurde, dass sie in städtische Räume in der Schulstraße umzog.

Rund fünf Jahrzehnte, nämlich ab kurz nach dem 2. Weltkrieg, hatten Peter und Annemarie Wahlig die Leitung der Bücherei zu ihrer Herzensangelegenheit gemacht und erst 2004 die Aufgabe an Elke Stracke weitergegeben, die ihrerseits für 17 Jahre die KÖB leitete. Von ihr übernahm dann ein 2021 Leitungsteam, dem seither Anette Eichhorn, Monika Eichler und Gudrun Gallei angehören, diese Aufgabe. Insgesamt sind derzeit 28 ehrenamtliche Helferinnen und Helfer aktiv, um die Ausleihe am Laufen zu halten und den Bestand an Medien zu pflegen. Und da gibt es immerhin rund 9300 Medien mit beinahe 22,000 Entleihungen insgesamt, die auf das Konto von 444 (Familien-)Nutzern gehen.

Bei der Begrüßung im Gottesdienst betonte Monika Eichler vom Leitungsteam der KÖB, dass die Bücherei im Wortsinn katholisch, also umfassend, für alle Menschen da und offen sei. In seiner Predigt erinnerte Pfr. Ludwig Siemes daran, dass die Bibliotheken schon in den Klöstern große Bedeutung hatten und er betonte die Verlässlichkeit des Wissens in guten Büchern, im Kontrast zu oft vagen oder gar bewusst irreführenden Inhalten auf diversen Angeboten im Internet. Auch das Lesen eines Buchs, um zur Ruhe zu kommen, und das Vorlesen von Geschichten hob er hervor.
Für die Pfarrei dankte Robert Schmitt vom Kirchenverwaltungsrat dem KÖB-Team ganz herzlich und betonte ebenfalls die Rolle einer Bücherei für Bildung und Teilhabe. Dem Team überreichte er als Dank der Pfarrei einen Gutschein für einen netten Abend.
Die musikalische Gestaltung des Gottesdienstes hatte die Gruppe Labyrinth übernommen.

Im Anschluss an den Gottesdienst gab es für Gäste der KÖB noch einen Umtrunk und Empfang im Paul Schnitzer-Saal. Im Foyer war die Geschichte der KÖB auf einem Poster zusammengestellt und drinnen im Saal gab das Leitungsteam der KÖB einen Abriss der 125 Jahre KÖB-Arbeit in Lorsch. Sie dankten auch ausdrücklich Sabine Notter und Frank Rüd für die gute Zusammenarbeit mit dem Pfarrbüro und Andreas Englert, der immer zur Stelle ist, wenn für Veranstaltungen der KÖB das Paulusheim benötigt wird. Hildegard Forell, seit über 35 Jahren in der KÖB aktiv, erhielt außerdem noch einen besonderen Dank für das immer schnelle Binden aller neuen Bücher bzw. die Reparatur verschlissener Einbände.

Für die Vereine der Stadt Lorsch hielt Ehrenbürgermeister Klaus Jäger eine Laudatio auf die Arbeit der KÖB. Vom der Fachstelle des BO für Büchereien war Marcel Schneider gekommen, um dem aktuellen Team Dank auszusprechen. Rund 8000 Besucher über das Jahr 2025 hinweg, so Schneider, seien ein sehr positiver Beitrag von kirchlicher Aktivität in der Stadt und unterstrichen die Bedeutung der KÖBs als pastorale Orte und als Aushängeschild für kirchliche Arbeit allgemein.







