27.05.2026
Bericht unserer Pilgerreise

Mitten im historischen Herzen Roms, an der Piazza Farnese, liegt das einladende Haus der Birgitten-Schwestern. Nur wenige Schritte entfernt befindet sich der lebendige Campo de’ Fiori mit seinem täglichen Markt; auch der Petersdom, die Engelsburg und das Kapitol sind bequem zu Fuß erreichbar. Das Haus selbst stammt aus dem 15. Jahrhundert und beherbergt im ersten Stock die Räume der heiligen Birgitta von Schweden, die hier lebte und starb.
In diesem besonderen Haus durfte unsere Pilgergruppe wohnen und die herzliche Gastfreundschaft der Schwestern genießen.
Doch der Reihe nach: Nach unserer Romreise vor zwei Jahren entstand der Wunsch, noch einmal gemeinsam mit Pfarrer Bartmann in die Ewige Stadt zu reisen. Als ausgewiesener Rom-Kenner stellte er die Reise unter das Motto „Mein Rom“. Diesmal standen weniger die großen und berühmten Kirchen im Mittelpunkt, sondern vielmehr die vielen versteckten Kleinode der Stadt.


Gottesdienst in der Kirche San Girolamo della Carità
Unser erster Weg führte uns etwas außerhalb Roms zur Abbazia delle Tre Fontane. Der Legende nach ist dieser Ort mit dem Martyrium des Apostels Paulus verbunden: Als ihm am 29. Juni 67 n. Chr. der Kopf abgeschlagen wurde, soll dieser dreimal auf den Boden aufgeprallt sein – und an jeder Stelle entsprang eine Quelle. In der Krypta befindet sich zudem eine kleine Höhle, in der Paulus gefangen gehalten worden sein soll.
Anschließend besuchten wir St. Paul vor den Mauern mit dem Grab des heiligen Paulus. Besonders beeindruckend waren die Porträtmedaillons aller Päpste – von Petrus bis in die Gegenwart –, nun ergänzt um das Bildnis von Papst Leo.

Der nächste Tag stand ganz im Zeichen des heiligen Philipp Neri, des „Apostels von Rom“ und „lachenden Heiligen“. In der Kirche San Girolamo della Carità versammelte er einst Laien und Priester in einem Gebetsraum, dem sogenannten Oratorium. Statt strenger Belehrungen prägten fröhlicher Austausch, Musik, Gespräche über die Bibel und gelebte Nächstenliebe diese Treffen. Dort durften auch wir einen wunderbaren Gottesdienst feiern. Anschließend führte uns unser Weg zur Chiesa Nuova, die Philipp Neri anstelle der baufälligen Kirche Santa Maria in Vallicella neu errichten ließ.
Von dort spazierten wir weiter durch das Borgo, das Viertel zwischen Vatikan und Engelsburg, und besuchten später die Schwestern der Göttlichen Vorsehung im Gästehaus Villa Mater Dei. Nach dem Gebet in der Kapelle genossen wir den traumhaften Blick auf den Petersdom.
Auf dem Rückweg machten wir Halt in der Kirche Santa Maria dell’Anima. Der Abend klang schließlich auf der Dachterrasse des Hauses der Birgitten-Schwestern aus – ganz im Sinne Philipp Neris: mit guten Gesprächen, Gemeinschaft und Freude.

Der Gottesdienst am nächsten Morgen fand in der Hauskapelle der Birgittinnen statt – ein inspirierender und spiritueller Ort. Beim anschließenden Spaziergang zeigte uns Pfarrer Bartmann viele versteckte Ecken abseits der Touristenströme. Oft genügte es, eine kleine Parallelstraße statt der Hauptwege zu nehmen, und Rom zeigte sich plötzlich ruhig, fast familiär.
Über die Piazza del Popolo gelangten wir zur Terrasse des Pincio mit ihrem herrlichen Blick über die Stadt. Natürlich durfte auch die Spanische Treppe nicht fehlen. Auf der Tiberinsel besuchten wir außerdem die Basilica di San Bartolomeo all’Isola, die seit 2002 als Gedenkstätte für die Märtyrer des 20. Jahrhunderts dient.

Der vierte Tag begann in einer eher versteckten Kirche: der Basilica di Santa Prassede aus dem frühen Mittelalter. Berühmt ist sie vor allem für ihre einzigartigen Mosaiken aus dem 9. Jahrhundert, die bis heute nahezu unverändert erhalten sind. Besonders die Zeno-Kapelle mit ihrer prachtvollen Decke hinterließ einen bleibenden Eindruck. Ganz in der Nähe liegt eine der vier Papstbasiliken Roms: Santa Maria Maggiore, die wir anschließend – nun wieder umgeben von deutlich mehr Touristen – besichtigten. Dort befindet sich auch das Grab von Papst Franziskus.
Später durften wir nach einem Gottesdienst in der Hauskapelle die Zimmer der heiligen Birgitta von Schweden besichtigen. Die Schwestern berichteten uns eindrucksvoll von ihrem Leben und Wirken und schenkten jedem von uns einen kleinen Anhänger als Erinnerung.

Auffällig ist auch der besondere Habit der Birgitten-Schwestern: Über dem Schleier tragen sie eine weiße Stoffkrone mit fünf roten Punkten, die an die fünf Wunden Christi erinnern.

Am vorletzten Tag führte uns die Reise auf den Aventin zur Basilika Santa Sabina, dem Sitz des Dominikanerordens, sowie zum nahegelegenen Päpstlichen Athenaeum Sant’Anselmo, der internationalen Hochschule des Benediktinerordens. Dort befindet sich auch eines der charmantesten „Geheimnisse“ Roms: ein kleines Schlüsselloch, das den Blick auf den Petersdom freigibt – einer der schönsten Ausblicke der Stadt.
Natürlich kamen während der Reise auch persönliche Begegnungen und viele freundschaftliche Gespräche nicht zu kurz. Ebenso wenig fehlten ein gutes italienisches Essen und das ein oder andere Glas Aperol.
Den Höhepunkt der Reise hatte sich Pfarrer Bartmann jedoch bis zum Schluss aufgehoben: die Generalaudienz auf dem Petersplatz. Wir durften Papst Leo ganz nah erleben. Wenn das Papamobil über den voll besetzten Petersplatz fährt, entsteht tatsächlich ein Moment voller Gänsehaut und großer Freude. Besonders bewegend war es, als unsere Pilgergruppe „Hl. Edith Stein Lorsch-Einhausen“ eigens begrüßt wurde.
So wurde die Begegnung mit dem Heiligen Vater zum krönenden Abschluss einer wunderbaren Reise.
Danke, Pfarrer Bartmann, dass Sie uns „Ihr Rom“ gezeigt haben.












Bericht und Bilder*: Michaela Ludwig-Gross
*Bilder Papst Leo: Christiane Ludwig-Paul